Pflanz einen Baum,
und kannst Du auch nicht ahnen,
wer einst in seinem Schatten tanzt.
Bedenk oh Mensch,
es haben Deine Ahnen
eh sie Dich kannten,
schon für Dich gepflanzt.

 

Das Hügelgebiet der Gemeinde Schlierbach ist eine von Baumgärten, Streuobstwiesen und Hausgärten geprägte Kulturlandschaft. Schon immer pflegten hier Bauern- und "Häuselleute" Most- und Tafelobstkulturen. Heute noch finden wir mehr als 100 Jahre alte Birnbaumbestände. Bis zum Jahre 1740, als ein ungewöhnlich strenger Winter die Kulturen zerstörte, wurde in unserer Gegend nachweislich auch Wein angebaut, wovon noch die Haus- und Flurbezeichnung "in den Weinbergen" zeugt. Fachlehrer Josef Kurz, Lehrer der 1920 errichteten Landwirtschaftsschule, wusste mit dem Unterricht in Obst- und Pflanzenbau nicht nur die "Winterschüler", sondern in verschiedenen Vorträgen auch die Landwirte dafür zu begeistern. Er hatte die Höhere Fachschule für Obstbau in Eisgrub in Mähren, eine der renommiertesten Schulen dieser Art in der Monarchie besucht. Unter seiner Leitung bildete sich im Jahre 1927 erstmals ein Obstbauverein, der eine Baumspritze anschaffte und am 6. November im Gasthaus Platzer auch eine Obst- und Gemüseschau veranstaltete. In der NS-Zeit wurde FL Kurz im Rahmen der sogenannten "Ernährungsschlacht" zum Fachbearbeiter für Obstbau bei der Kreisbauernschaft Kirchdorf ernannt und hielt z.B. 1939 einen 14-tägigen Frühjahrskurs für Obstbaumpflege. Durch die politischen Veränderungen hatte sich inzwischen der Verein in Schlierbach anscheinend von selbst aufgelöst oder war in Folge des allgemeinen Vereinsverbotes in diesem Jahr erloschen. Am 22. März 1942 fand dann aber im Gasthaus Bilek (Hofwirt) eine Versammlung der Obstzüchter des Ortes statt. Fachlehrer Kurz besprach die Situation am Obstbau und forderte die Züchter zum neuerlichen Zusammenschluss in einer Ortsgruppe eines Obst- und Gartenbauvereines auf. Am 4. Oktober 1942 fand im Rahmen des besonders festlichen Erntedankfestes im Gasthaus Platzer auch eine große Obst- und Bienenzuchtausstellung statt. In den folgenden Jahren wurde jeweils eine Jahresversammlung unter dem Vorsitz von Franz Tretter (Mair zu Grub) abgehalten. Von der Landesbauernschaft wurden dem Verein drei Obstbaumspritzen (zwei Zweirad- und eine Einradspritze) zur Verfügung gestellt. Nach dem Krieg bemühten sich 1948 einige ehemalige Mitglieder, angesichts der in diesem Jahr aufgetretenen verheerenden Obstbaumschäden, den Verein neu zu beleben und die in bestimmten Häusern eingestellten, inzwischen aber verschollenen, Obstbaumspritzen wieder einzusetzen. Ing. Kurz setzte sich jetzt besonders für die Herstellung von Most mit der Süßmostglocke ein. Karl Zehetner (Feichtinger) errichtete eine Obstbaumschule und trug damit ganz wesentlich zum Erhalt der Baumgärten bei. Bei zahlreichen Obstausstellungen und Mostkosten erreichte er überdies immer wieder ausgezeichnete Prämierungen. Oberlehrer Franz Soldan lehrte in mehreren Kursen im Schulgarten die praktische Obstbaumpflege. Bei dieser Gelegenheit soll auch ein Mann in Erinnerung gerufen werden, der sich ebenfalls um den Obst- und Gartenbau sehr verdient gemacht hatteund als Wühlmausfänger gesucht war. Es war dies der "Schernfänger" Johann Etzelsdorfer aus Oberschlierbach, der jeden Fang genau registrierte und 1961 starb. Er soll in seinem Leben gegen 700.000 Wühlmäuse und ähnliche Bodenschädlinge vernichtet haben.

Zu einer weiteren Neugründung des Vereines kam es allerdings erst 1984, als durch die vermehrte Siedlungstätigkeit auch außerhalb der eigentlichen Landwirtschaft das Interesse an Hausgärten und Gartenanlagen zugenommen hatte. Nach einem im Frühjahr 1983 von Ingl Haimböck, Obstbaulehrer an der Landwirtschaftsschule, gehaltenen Baumschnittkurs, erfolgte am 24. Mai im Bildungszentrum die Gründungsversammlung mit Wahl der Vereinsleitung. Zum ersten Obmann wurde Karl Prühlinger gewählt.
Zweck des Vereins (derzeit rund 150 Mitglieder) ist die Förderung des privaten Obst- und Gartenbaus.
Daher werden alljährlich neben Vorträgen rund um den Themenbereich "Hausgarten", auch Baumschnitt und Veredelungskurse veranstaltet und Lehrfahrten durchgeführt. Von den Mitgliedern können auch verschiedene vereinseigene Gartenbaugeräte ausgeliehen werden.